Musik und Wort am Palmsonntag – Eine außergewöhnliche musikalische Andacht
Am Palmsonntag, dem 29. März 2025, laden wir Sie um 15:00 Uhr zu einer besonderen musikalischen Andacht ins Christophorushaus ein: Gero Wiest spielt Joseph Haydns „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz” in der Klavierfassung, Pfarrer Otto-Fabian Vogtländer wird die biblischen Worte lesen und jeweils kurz darüber predigen.
Was Sie erwartet, ist mehr als ein Konzert – es ist eine meditative Reise durch die letzten Stunden Jesu am Kreuz, wie sie Haydn 1787 komponiert hat. Und wir erleben sie genau so, wie es der Komponist ursprünglich vorgesehen hatte: Im Wechselspiel von gesprochenem Wort und Musik.
Eine musikalische Rarität mit Geschichte
Die Entstehung dieses Werkes ist so faszinierend wie abenteuerlich: 1786 erreichte Haydn ein ungewöhnlicher Auftrag aus dem fernen Cádiz in Spanien. Für die Karfreitagsliturgie in der dortigen Kathedrale sollte er Musik zu den sieben letzten Worten Christi komponieren – aber reine Instrumentalmusik, ohne Gesang. Eine Herausforderung, die Haydn später als eine seiner schwierigsten bezeichnete: Wie schreibt man sieben langsame, meditative Sätze hintereinander, ohne dass sie einander „langweilig werden”?
Haydn löste diese Aufgabe meisterhaft. Jedes der sieben Worte – von „Vater, vergib ihnen” bis „Es ist vollbracht” – erhielt einen eigenen Charakter, eine eigene musikalische Sprache. Der liturgische Ablauf in Cádiz war genau der, den wir nun nachvollziehen: Der Priester sprach das Bibelwort, predigte kurz darüber, dann folgte die Musik als klingende Meditation.
Wenn Musik spricht
Haydn selbst bezeichnete dieses Werk Zeit seines Lebens als eines seiner gelungensten, und übertrug das Original für Orchester mehrfach in andere Fassungen – für Streichquartett, später sogar als Oratorium mit Gesang. Die Klavierfassung, die wir hören werden, wurde von einem unbekannten Bearbeiter verfasst, von Haydn aber besonders gelobt. Und tatsächlich: Am Klavier entfaltet diese Musik eine besondere Intimität, eine Nähe, die zum meditativen Charakter perfekt passt.
Was macht diese Musik so besonders? Haydn verzichtet weitgehend auf dramatische Effekte, auf große Gesten. Stattdessen schafft er Räume der Stille und Kontemplation. Jeder Satz ist wie ein langsames Nachdenken über die Bedeutung der Worte Jesu – mal tröstlich, mal erschütternd, immer tief berührend. Den Abschluss bildet das „Terremoto”, das Erdbeben nach Jesu Tod – ein dramatischer Schlusspunkt, der die meditative Stimmung durchbricht.
Eine Einladung zum Innehalten
Gerade am Beginn der Karwoche, am Palmsonntag, kann dieses Konzerterlebnis eine besondere Möglichkeit sein, zur Ruhe zu kommen. Die gut 75 Minuten schaffen einen Raum für Stille und Besinnung – wer sich darauf einlässt, wird eine intensive Erfahrung machen. Ob Sie regelmäßig Konzerte besuchen oder eher selten, ob Sie mit der biblischen Geschichte vertraut sind oder sie neu entdecken: Diese Musik öffnet sich allen, die ihr zuhören möchten.
Wir freuen uns auf Sie!
Palmsonntag, 29. März 2025, 15:00 Uhr, Christopherushaus Tangermünde
Eintritt frei – Spenden erbeten